ADHS – Aufmerksamkeits-Defizit-Störung mit/ohne Hyperaktivität im Kinder- und Erwachsenenalter

ADHS bzw. AD(H)S, die Aufmerksamkeits-Defizit-Störung mit/ohne Hyperaktivität, galt lange Zeit als eine psychische Beeinträchtigung, die bei Kindern und Jugendlichen vorkommt.

ADHS wird in jüngster Zeit sogar als Modediagnose bezeichnet. Das hängt damit zusammen, dass seit den 1990er Jahren eine stetige Verbesserung der diagnostischen Kriterien und ein detailliertes Symptombild das Erkennen einer ADHS für behandelnde Ärzte und Psychologen vereinfachte. In Folge dessen wurde ADHS bei Betroffenen häufiger erkannt und blieb nicht mehr unbehandelt. Daher gab es in der Vergangenheit vermutlich nicht weniger Betroffene, ADHS wurde nur seltener – oder falsch – diagnostiziert.

Neue Erkenntnisse zeigen, dass sich die ADHS in der Kindheit herausbildet, jedoch bei der Hälfte aller Betroffenen – entgegen früherer Annahmen – bis ins Erwachsenenalter fortbesteht.

Weil die Symptome im Erwachsenenalter verschieden von denen im Kindesalter sein können und die öffentliche Aufmerksamkeit mehr auf der kindlichen ADHS liegt, kommt es häufiger vor, dass Erwachsene mit einer ADHS gar nicht wissen, dass sie darunter leiden.
Alleine in Deutschland geht man derzeit von etwa 2 Millionen nicht diagnostizierten erwachsenen Betroffenen aus.

Häufigkeit von ADHS

Man geht davon aus, dass allein in Deutschland etwa 5-6 Prozent der Kinder unter ADHS leiden. Die Bundesärztekammer gab Schätzungen ab, in denen etwa 2-3 Prozent der Erwachsenen eine ADHS haben.

Anhand der Symptome unterscheidet man die ADHS in drei diagnostische Haupttypen:

  • den Unaufmerksamkeits-Typ
  • den Impulsivitäts- und
  • den Hyperaktivitäts-Typ

sowie den Kombinierten-Typ, der Symptome aus mehreren Problembereichen vereint.
Um die Kriterien einer ADHS zu erfüllen, müssen erste Symptome bereits vor dem 7. Lebensjahr aufgetreten sein.

Bei etwa der Hälfte der betroffenen Kinder überdauern die Symptome bis ins Erwachsenenalter und können beispielsweise zu Beeinträchtigungen in der Arbeitsleistung und dem Privatleben, sowie zu emotionalen und sozialen Auffälligkeiten führen.


Wie entsteht ADHS?

Die Ursachen der ADHS sind vorwiegend genetisch bedingt. Zudem können sich psychosoziale Faktoren (z. B. ungünstige familiäre Verhältnisse) verstärkend auf die Entwicklung einer ADHS auswirken. Jedoch gehen Forscher von einem mehrdimensionalen Entstehungsmodell aus.

Neurobiologische- und psychologische Studien konnten bei ADHS-Betroffenen Veränderungen in einigen Gehirnstrukturen und deren Funktionen nachweisen.

Diese Veränderungen bewirken einen gestörten Stoffwechsel der Botenstoffe Dopamin, Serotonin und Noradrenalin im Gehirn und werden als Grund für die Aufmerksamkeitsdefizite angesehen. Die Botenstoffe wirken sich unter anderem auch regulierend auf den Antrieb und die Motivation aus. Weil die Signalübertragung im Gehirn von ADHS-Betroffenen nicht ausreichend gehemmt wird, kommt es zu einem Informationsüberfluss und man verliert den Fokus.
Zudem wurde nachgewiesen, dass das Muster der Gehirnwellen bei ADHS-Betroffenen von anderen Personen abweicht.

Bei ADHS-Betroffenen gibt es vermehrt langsame (Theta-)Gehirnwellen bei einer gleichzeitigen Verminderung von schnellen (Beta-)Gehirnwellen. Das bedeutet, dass manche Bereiche des Gehirns zu Zeiten aktiv sind, an denen sie in vergleichbaren Situationen bei Personen ohne ADHS inaktiv sind. Dies könnte mit Hilfe eines Elektroenzephalogramms (EEG) nachgewiesen werden. Ein EEG zeichnet die Gehirnwellen auf und macht sie sichtbar.


Diagnostik der ADHS

Um eine ADHS-Diagnose sicher stellen zu können, ist es notwendig, dass bei der betroffenen Person die Symptome in der Kindheit und Jugend, sowie im Erwachsenenalter den Kriterien einer ADHS entsprechen.

Erwachsene mit einer ADHS haben ein größeres Risiko für begleitend auftretende psychische Erkrankungen als gesunde Personen (z. B. Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen, Suchterkrankungen, Teilleistungsstörungen). Oft suchen die Betroffenen aufgrund dieser gleichzeitig vorkommenden Beeinträchtigungen einen Arzt oder Psychologen auf, wobei die zugrunde liegende ADHS im Erwachsenenalter häufig nicht erkannt wird und deshalb unbehandelt bleibt. Eine richtige Diagnose ist manchmal schwierig, denn andere psychische Beeinträchtigungen (z. B. Bipolare Störung, Depression, Persönlichkeitsstörungen, Schlafstörungen) zeigen ähnliche Symptome.


ADHS Behandlung

In Deutschland sind die bei Kindern eingesetzten Psychopharmaka (z. B. Ritalin, Medikinet, Strattera) für Erwachsene unter bestimmten Auflagen zugelassen. Dennoch sprechen manche Betroffene nicht auf eine Therapie mit solchen Psychopharmaka an oder es bleiben Teilsymptome zurück.
Vor allem die Probleme der Ablenkbarkeit, Vergesslichkeit sowie Planungs- und Organisationsschwierigkeiten bleiben oft bestehen. Zudem kann die Einnahme von Psychopharmaka mit Nebenwirkungen verbunden sein.

Daher ist es wichtig, weitere Behandlungsmöglichkeiten für Kinder sowie für erwachsene ADHS-Betroffene zu suchen.
Ein alternativer Behandlungsansatz bei ADHS sind das Neurofeedback-Training sowie das therapeutische Klettern – StEP – einen großen und anhaltenden Einfluss auf die Kernsymptome der Impulsivität und Aufmerksamkeit!



Eltern-Coaching und Hilfe für Angehörige

Das Elterncoaching und die Angehörigenberatung ist ein wichtiger Baustein bei der Behandlung von Betroffenen.
Hier werden Hintergründe erläutert, die es im Zusammenhang mit den Diagnosen ADHS zu erkennen und zu beachten gilt.
Wer das Innenleben von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit dieser Diagnose verstehen lernt, wird deren Verhalten nicht mehr als Sammlung von Defiziten begreifen, sondern als Ausdrucksform einer inneren Welt, in der die inneren Zufahrtswege zu den Schätzen und Rohstoffen etwas verschlungen sein können.
Ziel ist es, Sie als Eltern und Angehörige wieder mehr zu befähigen:

  • die Qualität des Zusammenspiels zu verbessern,
  • die notwendige Liebe und Bereitschaft wieder zu erlangen,
  • die eigentlichen Bedürfnisse zu erkennen,
  • das Verhalten nicht als Problem, sondern als Lösung wahrzunehmen,
  • andere Grenzen zu setzen,
  • wieder gegenseitigen Respekt zu entwickeln,
  • in Ihren Gefühlen ernst genommen zu werden,
  • das Interesse an den Gesichtspunkten des Anderen zu finden,
  • Erwartungen in Wünsche umzuformulieren und zu lernen, „DU-Botschaften“ in „ICH-Botschaften“ auszudrücken!

Mehr zum Thema Systemisches Elterncoaching finden Sie im nachfolgenden Link:

Oder Sie besuchen einen meiner Kurse unter folgendem Link:

Systemisch-therapeutisches Klettern/Bouldern – StEP

Weitere Studien belegen, dass sporttherapeutische Maßnahmen, wie z.B. das Klettern bei Kindern & Jugendlichen, aber auch bei Erwachsenen mit ADHS, die Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Motorik, Konzentration und vor allem die soziale Kompetenz sichtbar verbessern.

Mehr zum Thema StEP finden Sie im nachfolgenden Link:

Merkmale, die auf eine ADHS hinweisen, sind:

  • lässt sich schnell ablenken, träumt im Unterricht und wirkt abwesend
  • wirkt oft zerstreut und durcheinander
  • ist zappelig, dauernd in Bewegung, scheint immer auf dem Sprung zu sein
  • zeigt wenig Ausdauer, kann sich schwer alleine beschäftigen
  • steht gerne im Mittelpunkt, sucht Aufmerksamkeit und Anerkennung
  • hat gute Ausdauer beim Fernsehen, PC etc., taucht in Spielwelt ab, bekommt nichts mehr um sich herum mit
  • sehr phantasievoll und kreativ
  • zieht sich gerne zurück, eigenbrötlerisch
  • ist schnell frustriert
  • handelt oft unüberlegt und hastig
  • Regeln erlernen ist sehr schwer
  • provoziert gerne
  • reagiert explosiv mit Wutausbrüche
  • ist wenig einsichtig, muss alles endlos diskutieren
  • möchte alles bestimmen, will meist der „Chef“ sein
  • spielt am liebsten draußen: toben, klettern, rennen
  • hat Spaß an allem, was Action verspricht
  • kann sich schwer mit mehreren Kinder arrangieren, führt schnell zu Streit
  • eigensinnig, lässt sich schwer etwas sagen
  • fühlt sich schnell ungerecht behandelt und missverstanden
  • zeigt großen Gerechtigkeitssinn
  • ist wenig nachtragend
  • ist berührungsempfindlich, obwohl selbst manchmal grob
  • Draufgänger, keine realistische Gefahreneinschätzung
  • bei neuen Erfahrung oft eher ängstlich und irritiert
  • ist schnell begeisterungsfähig, aber auch schnell frustriert
  • zeigt wenig Durchhaltevermögen, probiert vieles aus u. hört es oft schnell wieder auf
  • wirkt clever, hat aber trotzdem Lernprobleme
  • mündliche Mitarbeit lässt zu wünschen übrig
  • zeigt langsames Arbeitstempo besonders beim Schreiben
  • hat kein Zeitgefühl
  • zeigt viele Fehler beim Abschreiben, macht viele Flüchtigkeitsfehler – arbeitet oberflächlich
  • lässt oft Endungen weg, verwechselt ähnlich klingende Buchstaben z.B. G/K, V/F
  • verdreht Buchstaben und Zahlen
  • verliert oft beim Lesen und Abschreiben die Zeile
  • kann nicht lange zuhören und genau hinhören
  • ist sprunghaft im Denken und Handeln
  • verliert oft Dinge
  • kann kaum abwarten
  • stört den Unterricht z.B. durch Schwätzen
  • vergisst öfters die Hausaufgaben
  • erzählt durcheinander, was ihm gerade einfällt
  • schlechte Heftführung und unsaubere Schrift
  • Angst vor Arbeiten
  • nervös und bei Arbeiten „wie Brett vor dem Kopf“
  • Zettelwirtschaft und Chaos im Ranzen/oder am Arbeitsplatz
  • erledigt vieles auf den letzten Drücker oder nur mit Druck
  • wirkt schlagartig müde bei unliebsamen Aufgaben
  • scheint für andere Dinge endlos Energie zu haben
  • Missgeschicke, z. B. Glas umwerfen sind an der Tagesordnung
  • ist ungeschickt beim Hantieren mit Besteck oder beim Schuhebinden
  • kommt abends nicht zur Ruhe
  • scheint mit wenig Schlaf auszukommen
  • träumt schlecht
  • oft Kopfschmerzen
  • wirkt emotional unausgeglichen
  • zeigt schlechtes Selbstbewusstsein
  • wirkt verspielt und jünger als Gleichaltrige
  • sammelt alles, findet oft nichts wieder
  • trödelt beim Anziehen, Waschen und Zähneputzen